mitarbeiter einbinden

Industrie 4.0 - Mitarbeiter einbinden

24. November 2019 Digitalisierung

Die Globalisierung und der fortschreitende demografische Wandel stellen hohe Anforderungen an die industrielle Produktion in Deutschland wie auch an die Produktionsmitarbeiterinnen und -mitarbeiter. Zahlreiche Unternehmen haben bereits mit ersten Schritten hin zu Industrie 4.0 begonnen – durch Retrofitting ihrer Anlagen, Vernetzung von Maschinen oder Integration von Methoden der künstlichen Intelligenz.

 

Doch wie können bei jedem Schritt die Mitarbeiter mitgenommen werden, um Industrie 4.0 Projekte auch zu Erfolgsprojekten zu machen?

Die Vergangenheit hat oft genug gezeigt, dass innovative Entwicklungen am Widerstand der Nutzer scheiterten, weil sie der Veränderung nicht gefolgt sind oder ihr nicht folgen konnten. Gerade bei der Entwicklung innovativer Assistenzsysteme, die die Fähigkeiten des Werkers oder Montagemitarbeiter erweitern und so zu einer höheren Qualität der Produkte führen, ist es wichtig den Nutzer am Entwicklungsprozess teilhaben zu lassen, um einerseits das Assistenzsystem an den Anforderungen, Fähigkeiten und Bedürfnissen der Nutzer zu auszurichten und andererseits die Akzeptanz des zukünftigen Systems zu fördern.

Neben der Förderung der Akzeptanz entstehen weitere positive Effekte bei der Einbindung in den Entwicklungsprozess. Beispielsweise fühlen sich Mitarbeiter gut informiert und ernstgenommen. Das wiederrum fördert die Mitarbeitermotivation und die Arbeitsqualität in einer zunehmend von Komplexität, Wandel und Variantenvielfalt geprägten Produktionsumgebung.

Orientiert sich ein Assistenzsystem zudem an den Erwartungen und Anforderungen, des Mitarbeiters, kann das System bedarfsgerecht Informationen bereitstellen und so die Komplexität im digitalisierten Produktionsalltag reduzieren sowie gleichzeitig die Effizienz in Produktionsunternehmen steigern.

 

Wie kann eine Mitarbeitereinbindung erfolgen?

Eine Mitarbeiter-Einbindung kann dabei auf verschiedenen Wegen erfolgen:

  • Mobilisierung setzt an der Überzeugung und Einstellung des Mitarbeiters an und erfolgt iterativ über verschiedene Stufen und Phasen entlang eines Projektes (Analyse, Konzeption, Prototyping und Evaluation).
  • Entwicklung von Handlungskompetenz bedeutet, sich in offenen, unübersichtlichen und komplexen Situationen selbstorganisiert zurecht zu finden und wird durch eine aktive Mitarbeiterentwicklung beispielsweise durch Schulungen mit direktem Bezug zum Arbeitsplatz erreicht.
  • Verstetigung und Nachhaltigkeit der Lösung erfolgt durch Reflexionsprozesse und Institutionalisierung während des Projektzeitraums.

 

Welche Methoden kann ich einsetzen?

Eine Mobilisierung kann beispielsweise über einen nutzerzentrierten Entwicklungsansatz, den User-Centered Design (UCD) Prozess (DIN EN ISO 9241-210), realisiert werden. In diesem Modell steht der Endnutzer in jeder Phase der Entwicklung im Mittelpunkt. Auf diese Weise wird sichergestellt, dass der Aufbau, die Inhalte und das Design des Endprodukts maßgeblich von den Bedürfnissen, den Erwartungen und dem Verständnis der Mitarbeiter bestimmt werden. Darüber hinaus werden sowohl die Konzeptions- und Umsetzungskosten niedrig gehalten als auch die Qualität und der Nutzen des zukünftigen Assistenzsystems optimiert. Für jede Entwicklungsphase bietet der UCD dabei unterschiedliche Methoden der Nutzereinbindung an. Für die Analysephase eignen sich beispielsweise Interviews, Personas, Szenarien und Storyboards, die in Form von Workshops durchgeführt bzw. entwickelt werden. Gerade in den frühen Projektphasen können auf diese Weise Mitarbeiter motiviert und gleichzeigt deren Kontext näher betrachtet werden.

Zwar herrscht zu Beginn solcher Workshops oftmals Skepsis, doch diese wandelt sich meist schnell in Offenheit und Neugier gegenüber dem Workshop und der zukünftigen Software um, wenn der Mehrwert und der eigene Einfluss deutlich werden. Zudem entwickeln alle Workshop-Beteiligten ein konkretes Verständnis über die Workflows der jeweiligen Mitarbeiter und auch erste Probleme innerhalb der Workflows können identifiziert werden. Beispielsweise klagte bei einem Workshop eine Mitarbeiterin über Rückenschmerzen. Aufgrund ihrer Größe musste sie sich stets weit nach unten bücken, um Produkte zu montieren. Heute hat diese Mitarbeiterin einen höhenverstellbaren Tisch – ein schöner Nebeneffekt.

 

Fazit: Industrie 4.0 - Mitarbeiter einbinden

Wichtig bei der Durchführung solcher Workshops ist eine Erläuterung der Methoden mit Beispielen und Veranschaulichung des Mehrwerts, um das Verständnis aller Beteiligten zu erhöhen. Außerdem hat sich gezeigt, dass die Einbindung von Mitarbeitern aus unterschiedlichen Abteilungen innerhalb eines Unternehmens einen großen Mehrwert für alle Beteiligten bietet, da nicht immer alle Mitarbeiter über die verschiedenen Arbeitsabläufe informiert sind. Zudem ist es wichtig die Mitarbeiter nicht zu lang von ihren täglichen Arbeitsaufgaben abzuhalten. Aus diesem Grund sollten die Workshops in einem definierten Zeitrahmen ablaufen, stets gut vorbereitet sein und möglichst durch UCD-Experten durchgeführt werden.

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